Warum Projekte das neue Betriebssystem der Wirtschaft sind — und was das für Menschen und Unternehmen bedeutet.

Antonio Nieto-Rodriguez hat es bereits 2021 im Harvard Business Review auf den Punkt gebracht: „The Project Economy Has Arrived.” Produkte, Veränderungen, Regulierung, sogar Nachhaltigkeit und soziale Innovation — all das wird heute oftmals projektbasiert umgesetzt. Damit bilden Projekte heute nicht mehr die Ausnahme neben dem Tagesgeschäft; sie sind Tagesgeschäft.

Laut PMI werden bis 2027 weltweit 88 Millionen Menschen in projektorientierten Rollen arbeiten. Der jährliche Wertschöpfungsbeitrag dieser Arbeit: geschätzt 20 Billionen US-Dollar. Projekte tragen als wirtschaftlicher Motor und Wachstumstreiber wesentlich zum unternehmerischen und wirtschaftlichen Erfolg bei — und mit ihnen die Menschen, die sie erfolgreich umsetzen wollen und sollen.

Was bedeutet das konkret

Für Unternehmen heißt das: Die Fähigkeit, die richtigen Menschen zur richtigen Zeit im richtigen Projekt mit der notwendigen Kapazität zusammenzubringen, wird zur Kernkompetenz. Nicht als HR-Thema, sondern als strategischer Erfolgsfaktor. Wer diese Kompetenz nachhaltig im Unternehmen verankert hat, kann Projekte erfolgreicher umsetzen — und vor allem auch in time und in Budget. Wer das nicht schafft, verbrennt Geld, Zeit und Motivation – und verprellt in letzter Instanz auch Mitarbeiter aufgrund stetig wachsender Frustration.

Und auch für Professionals verändert sich zunehmend die Perspektive auf die Zukunft. Der klassische Karrierepfad — Einstieg, Aufstieg, Spezialisierung — verändert sich zu einer projektbasierten Laufbahn. Was zählt, ist nicht der Titel auf der Visitenkarte, sondern was jemand in konkreten Projekten nachweislich geleistet hat. Kompetenzen, die sichtbar und belastbar sind.

Zudem ergeben sich hier für Professionals auch enorme Chancen: Wer weiß, was er kann und sich seiner Stärken bewusst ist, weiß auch, wohin er sich entwickeln will und wo er noch Optimierungsbedarf hat — und kann dies gezielt zur beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung nutzen. So wird erfahrungsbasierte Kompetenz für Unternehmen und Professionals zum Erfolgsfaktor und zu einer neuen Arbeitswährung.

Die Herausforderung

Wie eingangs dargestellt, operieren die meisten Unternehmen längst in der Project Economy — die eingesetzten Tools und Werkzeuge stammen jedoch noch aus der alten Welt. Wenn überhaupt, findet Kompetenzmanagement häufig per Excel statt, Teambesetzungen basieren auf persönlichen Kontakten, CVs und per Zuruf. Feedback über die eigene Person und die erbrachten Leistungen gibt es häufig nur ein- bis zweimal im Jahr – und das meist nur, um einem HR-Standardprozess zu genügen und nicht, um Professionals wirklich ein sinnvolles Tool zur persönlichen Weiterentwicklung an die Hand zu geben. Ein Flickenwerk, das wie aus der Zeit gefallen wirkt und nicht wirklich integriert und zusammenpasst.

In einer projektzentrierten Welt, die in hohem Maß von Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Kreativität, Innovationsfähigkeit und Schnelligkeit lebt, braucht es ein System, das den Treibstoff „erfahrungsbasierte Kompetenz” im Unternehmen weithin sichtbar – und damit nutzbar macht.

Die Project Economy ist da. Die Frage ist nur: Sind wir bereit dafür?